Nach fast euphorischem Jahresbeginn könnte eine vorsichtige Anlagepolitik angebracht sein

Anlagepolitik, Februar 2023

Nach fast euphorischem Jahresbeginn könnte eine vorsichtige Anlagepolitik angebracht sein

Die Weltwirtschaft dürfte nach 6 % 2021 und ca. 3 % 2022 dieses Jahr weit weniger Wachstum zeigen. Ob eine Rezession vermieden werden kann, hängt nicht nur von den Zentralbanken ab, sondern auch von geopolitischen Spannungen. Der Ukraine-Krieg ist noch keineswegs beendet und neue Waffenlieferungen könnten zu einer Eskalation führen. Die Situation in China ist noch nicht klar und bedarf einer gesunden Portion Skepsis nach all den Jahren enttäuschender Entwicklungen. Schweizerische Anlagen erscheinen im internationalen Vergleich relativ solide, weshalb wir an unserer Favorisierung des weniger konjunkturabhängigen Schweizer Aktienmarktes festhalten. 

Die Aussichten für die Weltwirtschaft werden 2023 schwieriger und eine klare Konjunkturabschwächung würde nicht überraschen. Nicht nur sind die Zinsen durch die Zentralbanken in den letzten Monaten massiv erhöht worden, die sogenannten Realzinsen beziehungsweise um Inflation bereinigte Zinsen befinden sich nun auch auf höheren Niveaus. Die zehnjährigen und fünfjährigen US-Realzinsen sind sogar nahe dem Höchststand der letzten zehn Jahre. Paradoxerweise könnte ein Rückgang der Gesamtinflation sogar die Realzinsen noch mehr erhöhen, falls die Zentralbanken keine Zinssenkungen beginnen. Bei der Inflationstendenz sehen wir, dass sich zwar die Gesamtinflation wegen der hohen Basis der Energiepreise im Vorjahr (dem sogenannten Basiseffekt) etwas reduziert, dass aber die Kerninflation ohne Energie- und Nahrungsmittel auf historisch klar überdurchschnittlichen Niveaus bleibt. In der Eurozone ist die Kerninflation im Dezember sogar von 5,0 % auf 5,2 % gestiegen. Entsprechend setzen die wichtigsten Zentralbanken ihre Zinserhöhungen fort und Hoffnungen auf eine Zinswende erscheinen derzeit noch verfrüht. 

Aktien

Die Aktienmärkte haben jüngst Anhänger in beiden Lagern gefunden. Die Optimisten betonen den Rückgang der Gesamtinflation, zum Beispiel in der Eurozone von 10,1 % auf 9,2 %. Pessimisten verweisen auf die Tatsache, dass die Zentralbanken der USA und der Eurozone klar zum Ausdruck gegeben hätten, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht vorbei sei und daher weitere Zinserhöhungen folgen würden. Realisten beobachten die Gewinnentwicklung der Aktiengesellschaften, denn diese bestimmt letztlich die Aktienentwicklung langfristig am stärksten. Die Indikationen für das Umsatzwachstum sind auf Rückgang ausgerichtet, das Ausmass allerdings ist abhängig von der genauen Konjunkturdynamik. Bei einem leichten Konjunkturrückgang könnte dieser bei besser aufgestellten Qualitätsunternehmen mit Preissetzungsmacht eher aufgefangen werden, bei einer Rezession wäre dies schwieriger. Ebenfalls bedeutsam dürfte dieses Jahr der Margenverlauf werden. Bei steigenden Kosten können sich auch hier Firmen mit besserer Preissetzungsmacht freundlicher entwickeln. Bis es Klarheit in diesen Fragen gibt, dürfte es aber einige Zeit dauern. In der Zwischenzeit sollte eine nicht allzu extreme Positionierung in Erwägung gezogen werden und der defensive, weniger von der Konjunktur abhängige Schweizer Aktienmarkt bleibt innerhalb der Länderallokation interessant.

Rohstoffe konnten gemessen am Gesamtindex in US-Dollar 2022 etwa so viel zulegen, wie Aktien oder Obligationen verloren.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer


Obligationen

Für die Anleihenmärkte, welche jüngst durch mehr Schwankungen in beide Richtungen, also nach oben und unten, auffielen, ist 2023 auch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ein nicht unwichtiger Faktor. Die Emissionstätigkeit nimmt nach dem Jahreswechsel und der relativen Ruhe der vergangenen Wochen wieder zu. In der Eurozone beispielsweise wird für 2023 ein Anstieg der Neuemissionen bei Staatsanleihen erwartet, was ein steigendes Angebot bedeutet. Umso mehr wird die Nachfrage essenziell. Diese könnte von einem Rückgang der Kerninflation – falls er substanziell wird – profitieren, doch vergessen werden darf nicht, dass das sogenannte «Quantitative Tightening» oder QT, also die Reduktion der von den Zentralbanken gehaltenen Obligationenbestände, die Nachfrage reduziert. Für Unternehmensanleihen wird 2023 zunehmend die Entwicklung von Cash-Flows und Gewinnen bedeutsam. Das heisst, es kommt mehr als im vergangenen Jahr auf die Geschäftsentwicklung der einzelnen Unternehmen an: Selektion bei Firmenanleihen wird also immer wichtiger.

Währungen

Der US-Dollar hat eine Zeit höherer Schwankungen hinter sich. Nachdem er im Oktober auf den höchsten Stand seit zwanzig Jahren geklettert war, korrigierte er gemessen am Dollar-Index gegenüber den wichtigsten Handelspartner-Währungen wieder fast 10 %. Nun könnte es zu einer Seitwärtsbewegung kommen, denn sowohl von der Europäischen Zentralbank wie auch von der amerikanischen Fed werden weitere Zinserhöhungen erwartet. Sollten beide Zentralbanken die Leitzinsen gleich stark erhöhen, dürften die geopolitischen Entwicklungen entscheidend werden. Bei einer Eskalation des Ukraine-Krieges beispielsweise dürfte der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder Terrain preisgeben. In einem solchen Szenario dürfte sich der Euro auch gegenüber dem Schweizer Franken reduzieren. Insgesamt könnte der Schweizer Franken eine recht solide Währung bleiben, das heisst weniger Schwankungen unterworfen sein als die anderen Währungen.

Rohstoffe

Rohstoffe konnten gemessen am CMCI-Gesamtrohstoffindex in US-Dollar 2022 etwa so viel zulegen, wie Aktien oder Obligationen verloren. Damit zeigten sie ihre Stärke als diversifizierende Anlageklasse einmal mehr auf, ähnlich wie in früheren Zeiten höherer Inflation. In den letzten Wochen wurden die Rohstoffmärkte von Volatilität in beide Richtungen dominiert. Die Fragezeichen betreffend Auswirkung der partiellen Aufhebung von Corona-Restriktionen in China sind grösser geworden mit Konsumhoffnungen auf der einen und möglichen krankheitsbedingten Produktionsunterbrüchen auf der anderen Seite. Auch die schwankenden Wintertemperaturen spielen eine Rolle, besonders im Energiebereich. Nachdem die europäischen Lager bei Erdgas gut gefüllt werden konnten, gab es Korrekturen bei Energierohstoffen, auch bei Erdöl. Gold andererseits konnte sich von einem Tiefstand um 1650 US-Dollar wieder deutlich erholen, wie wir es für den Fall einer US-Dollar-Schwäche erwartet hatten. Derzeit kann der Goldpreis als recht fair bewertet bezeichnet werden, weshalb eine neutrale Positionierung gerechtfertigt erscheint.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als Chief Investment Officer das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre Chief Investment Officer bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 25. Januar 2023

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