Schweizer Aktien sind interessant

Anlagepolitik, Juni 2020

Schweizer Aktien sind interessant

Die Finanzmärkte zeigen sich erholt, die monetären und fiskalischen Stützungen sind schneller als 2008/09 erfolgt, nachdem die Korrektur der Märkte und der Wirtschaftsaktivität rascher erfolgte. Bei Aktien sind Schweizer Aktien aus drei Gründen interessant: 1. Stabile Währung dank im globalen Vergleich stabiler politischer Lage, 2. Eine wieder attraktive Kurs-/Gewinn-Bewertung im Vergleich zum Weltaktien-Index, und 3. Der defensive Charakter der wichtigen Firmen, d. h. ein unterdurchschnittliches Beta dank relativer Ertragsstabilität.

So wie zurzeit der Informationsstand ist – und dieser kann sich jederzeit ändern – ist zwar mit einer starken Rezession wohl ähnlich wie 2008 zu rechnen, aber nicht mit einer Depression wie in den 1930-er Jahren. Dies daher nicht, weil damals der Fehler einer restriktiven Zins- und Fiskalpolitik gemacht wurde, was diesmal nicht der Fall ist. Die Corona-Krise geht in die nächste Phase ‒ eine vorsichtige. Sie gibt der Entwicklung der Unternehmen Priorität, was 
Aktien zugutekommen kann, sofern keine neue Zunahme der aktiven Ansteckungen resultiert. Daher ist diese nächste Phase eine Testphase. Die massive und noch stärker werdende Konjunkturunterstützung durch die Regierungen und Zentralbanken der bedeutendsten Wirtschaftsnationen im Umfang von rund 5-10 % des BIP (Bruttoinlandprodukt) zur Bekämpfung der Rezession sowie zur Stützung der Finanzmärkte ist wichtig. Die Erhöhung der Finanzunterstützung der US-Regierung an die Arbeitslosen und die neue 500-Mia.-Euro-Initiative von Deutschland und Frankreich, der sogenannte «Recovery Fund», zeigen, dass es den Behörden ernst ist mit der Konjunkturstimulierung.

Aktien
Wichtig und entscheidend sind letztlich die Fundamentaldaten, also die Entwicklung der Wirtschaft und Firmengewinne. Zwar kann man den Wirtschaftsdaten aus China nicht wirklich vertrauen, doch sie zeigen eventuell, was im Rest der Welt ablaufen könnte. Die Produktion, die allerdings von der staatlichen Diktatur verordnet wird, ist noch nicht auf Vor-Krisen-Niveau, doch bei etwa 85-90 % davon. Der Konsum, der nicht befohlen werden kann, liegt bei etwa 70 % des Niveaus vor der Corona-Krise. Dies ist ein Fortschritt gegenüber dem Aktivitätseinbruch um 50-60 %, der im 1. Quartal zum BIP Chinas von -6,8 % zum Vorjahr führte. Angesichts der inzwischen stark angestiegenen Volumen bei Geldmarktfonds sowie der hohen Cash-Bestände der institutionellen Anleger sind Kursavancen bei Aktien beim Eintreffen besserer Konjunkturdaten daher durchaus möglich. In dieser Phase der Unklarheit präferieren wir zum einen US-Aktien, was sich bewährt hat. Sie profitieren von einer kleineren Gewichtung des Finanzsektors. Dieser leidet unter dem nun noch tieferen Zinsniveau, was die Profitabilität des Finanzsektors belastet und ein Nachteil für Aktien der Eurozone ist, wo der Finanzsektor der am höchsten gewichtete Sektor ist. Ebenso interessant sind nun auch Schweizer Aktien. Schweizer Aktien profitieren von einer im globalen Vergleich stabilen politischen Lage. Der Schweizer Franken ist historisch wertbeständiger als andere Währungen. Schweizer Aktien haben einen überdurchschnittlich hohen Anteil an ertragsstabilen Firmen aus defensiven Branchen mit historisch gutem Wachstum. Zudem zeigen Schweizer Aktien nun eine attraktive Bewertung im Kurs-/Gewinn-Verhältnis im Vergleich mit dem Weltaktien-Index.

Schweizer Aktien haben einen hohen Anteil an ertragsstabilen Firmen aus defensiven Branchen mit historisch gutem Wachstum.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer 

Obligationen
Für die Obligationenmärkte sind nun zwei Entwicklungen bedeutsam. Erstens ist der Rückgang der im März extrem wilden Marktschwankungen positiv zu erwähnen. Die Volatilität der wegweisenden amerikanischen Obligationen hatte sich damals rund vervierfacht und ist nun soweit zurückgekommen, dass kaum mehr Zwangsverkäufe in US-Staatsanleihen zu erwarten sind. Zweitens haben sowohl die amerikanische wie die europäische Zentralbank nicht nur eine massive Erhöhung der quantitativen monetären Lockerung (quantitatives «Easing», QE) also Käufe von Anleihen, beschlossen. Sie haben zudem auch angekündigt, dabei besonders Unternehmensobligationen zu unterstützen. Das bedeutet, dass nicht nur Unternehmensanleihen mit Investment Grade Rating, sondern nun auch Hochzinsanleihen («High Yield») von der US-Zentralbank Support erhalten. Dies gibt den Unternehmensanleihen insgesamt eine zusätzliche Nachfrage, was zusammen mit den noch überdurchschnittlichen Renditen ihre Attraktivität erhöht, sowohl gegenüber Cash als auch gegenüber Staatsanleihen. 

Währungen
Die Finanzierung der steigenden Budgetdefizite und Staatsverschuldungen, welche die logische Folge des Fiskalsupports für die vom Virus geschwächten Volkswirtschaften ist, erfolgt durch massive Obligationenkäufe wie noch nie zuvor. Dies bedeutet nichts Anderes als eine Monetarisierung der Staatsverschuldung und führt langfristig entweder zu mehr Inflation oder zu einer schleichenden Abwertung der Papierwährungen. Wir glauben eher das letztere. Die Währungen der Länder, welche besonders viel QE zeigen, dürften mehr unter Druck kommen als jene, die es vorsichtiger angehen. Daher könnte der Schweizer Franken gegenüber anderen Währungen, vor allem dem Euro, in den nächsten Monaten - nach einer gewissen Konsolidierungsphase - generell weiter zur Stärke neigen.

Rohstoffe
Im Ölmarkt bleibt die Volatilität überdurchschnittlich, denn das Spannungsfeld zwischen Angebot und Nachfrage ist nach wie vor gross. Zum einen braucht es Reduktionen des globalen Überangebots. Dabei sind die drei Hauptproduzenten Russland, Saudi-Arabien und vor allem die USA gefordert, ihren Marktanteil zu riskieren bzw. zu senken, um die Preise zu stabilisieren. Zum anderen beeinflusst die äusserst schwierig einzuschätzende Wirtschaftslage die globale Nachfrage. Daher glauben wir weiterhin, dass Gold als Diversifikation der anderen Anlageklassen interessant ist, denn es wird von der Monetarisierung der Staatsverschuldung durch die Zentralbanken gestützt, welche eine Abwertung der Papierwährungen nach sich ziehen dürfte. Dabei sind aber volatile Bewegungen einzukalkulieren, da Gold wie andere Rohstoffe grundsätzlich viel volatiler als Obligationen ist.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 26. Mai 2020

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