Stärkere Schwankungen?

Anlagepolitik, November 2020

Stärkere Schwankungen?

Der Beginn der kälteren Jahreszeit bringt sowohl den Regierungen wie den Finanzmärkten neue Herausforderungen. Es gilt, einen Balanceakt zwischen der Unterstützung der Gesundheit der Bevölkerung und der Unterstützung der Volkswirtschaft zu finden, was enorm schwierig ist. Daher steigen die Unsicherheiten der Konsumenten – eventuell mit sozialen Spannungen – und bringen den Finanzmärkten stärkere Schwankungen. Wir fokussieren in diesem Umfeld auf Anlagen defensiver Ausrichtung und mit geringerer Sensitivität auf Bewegungen des Gesamtmarktes.

Die Daten vieler Länder zeigen: Die Wirtschaftserholung ist ins Stocken geraten, die ökonomische Unsicherheit nimmt wieder zu. Ein wichtiger Grund ist das vorsichtige Verhalten der Konsumenten, welche aufgrund der gestiegenen Arbeitslosigkeit mehr Geld sparen. Partielle und regionale Massnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus sind aufgrund steigender Ansteckungen notwendig und dürften die Dienstleistungsseite der Wirtschaft mehr belasten als die Produktionsseite. Die Bekämpfung des Virus bedeutet auch, dass weitere Konjunkturstimulierungen nötig werden dürften. Ein weiteres Aufstocken des quantitativen Wertschriftenkaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte europäischen gegenüber amerikanischen Finanzmärkten weiteres Aufholpotenzial geben. 

Aktien
Die Aktienmärkte sind im Wechselspiel von diversen Kräften weiter volatil. Positiv für Aktien ist die höhere Dividendenrendite im Vergleich zur historisch tiefen Rendite von Anleihen, insbesondere von Regierungsobligationen. Die Dividendenrendite europäischer Aktien ist höher als jene der US-Aktien, was zusammen mit der höheren Bewertung amerikanischer Valoren letztere benachteiligen kann. Weniger positiv für Aktien ist das Risiko einer erneuten globalen Konjunkturverlangsamung, welche selbst von zwei Faktoren beeinflusst wird: Zum einen ist die Unsicherheit über die künftige amerikanische Wirtschaftspolitikwegen den US-Wahlen zu nennen. Ob die vor den US-Wahlen geplanten Vorhaben auch wirklich durchgeführt werden, ist erst in einigen Wochen oder gar Monaten ersichtlich. Zum anderen kann die Ausbreitung des Corona-Virus nach wie vor den Konsum und damit das Wirtschaftswachstum in den betroffenen Ländern wieder beeinträchtigen. Dies ist zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts nicht zu vernachlässigen. Zudem ist die fragile Marktkonzentration des taktgebenden US-Aktienmarktes, die sich auf historischen Höchst bewegt, ein weiterer Volatilitätsfaktor. Daher bleiben wir auf defensive Aktien mit geringerem Beta bzw. geringerer Marktsensitivität als der gesamte Weltaktien-Index fokussiert. Wir sind aus diesen Gründen zurzeit übergewichtet in Aktien mit minimerer Volatilität («minVol») und in Schweizer Aktien.

Unser Fokus liegt auf Anlagen mit defensiver Ausrichtung, welche weniger sensitiv auf den Gesamtmarkt sind und weniger von der Konjunktur abhängen.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer 

Obligationen
Die nach wie vor stark laufenden Anleihen-Kaufprogramme der wichtigen Zentralbanken («quantitatives Easing») sind ein Grund, weshalb die Obligationenmärkte seit Monaten klar weniger Volatilität zeigen als in historisch ähnlichen Wirtschaftsphasen. Bezüglich Duration kann wohl dem Marktdurchschnitt gefolgt werden, solange Zinserhöhungen oder grosse Inflationsveränderungen ausbleiben. Neue Konjunkturdaten dürften für Unternehmensanleihen in den nächsten Wochen bedeutsamer werden. Zwar wäre eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums kein Grund für Zusatzkäufe, doch dürfte der Obligationenmarkt sein Augenmerk auch auf die Entwicklung der Unternehmensresultate richten. Die Wertschriftenprogramme der Zentralbanken haben den «Investment Grade»-Anleihen dieses Jahr bisher besondere Unterstützung gegeben, was sich in der nächsten Zeit kaum ändern sollte. Somit sind wir im Kredit-Bereich genauso wie bei den Aktien klar auf Qualität ausgerichtet und sind daher «Investment Grade»-Anleihen übergewichtet.

Währungen
Die Bewegungen im Euro haben in den letzten Wochen und Monaten für Gesprächsstoff gesorgt. Nach einer klaren Erholung seit dem Tiefstand im März 2020, mitten in der Corona-Krise, konnte sich der Euro bis auf rund 1,20 zum US-Dollar erholen. Dies auch darum, weil die Virusausbreitung sich im Sommer 2020 zwischenzeitlich von Europa auf die USA verlagert hatte. Auch gegenüber dem Schweizer Franken konnte der Euro sich festigen, allerdings weniger deutlich als zum US-Dollar. Mit dem Herbstbeginn und den die höheren Erwartungen nicht mehr klar übertreffenden Wirtschaftsdaten hat die Euro-Erholung einer Zwischenkorrektur Platz gemacht. Für die nächste Zeit könnten die Hauptwährungen Euro, US-Dollar und japanischer Yen sowie auch das britische Pfund von höherer Volatilität in beide Richtungen geprägt sein. Die bestehenden Konjunkturrisiken sollten die traditionelle Stabilität des Schweizer Frankens in den Vordergrund rücken.

Rohstoffe
Für zyklische Rohstoffe wie Industriemetalle oder Rohöl gilt es nun, genau auf die eintreffenden Konjunkturdaten zu achten. Denn nach der deutlichen Erholung seit dem Frühjahr 2020 hat sich der Rohstoffmarkt auf eine Wirtschaftserholung eingestellt. Darum sollte es hier nicht zu Enttäuschungen kommen, ansonsten Gewinnmitnahmen nicht überraschen würden. Wegen der oben beschriebenen Konjunkturrisiken sind wir Rohstoffe momentan nicht übergewichtet. Gold ist klar weniger wirtschaftsabhängig, auch im Vergleich zu anderen Edelmetallen. Jedoch ist nicht zu unterschätzen, dass Gold auf eine Veränderung der Realzinserwartungen – besonders in den USA – historisch oft stärker reagiert hat. Auch die Dollarsensitivität spielt traditionell eine wichtige Rolle für das gelbe Metall. Weil wir beim US-Dollar in den nächsten Wochen von erhöhter Volatilität in beide Richtungen ausgehen, welche Gold beeinflussen kann, bleiben wird bei Gold bei einer neutralen Gewichtung.

Fazit: Die Herausforderungen an die Finanzmärkte nehmen wieder zu. Auch darum, weil mit der kälteren Jahreszeit die Virusausbreitung zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums führen dürfte. Daher liegt unser Fokus auf Anlagen mit defensiver Ausrichtung, welche weniger sensitiv auf den Gesamtmarkt sind und weniger von der Konjunktur abhängen. Wichtig für die Märkte könnten neben der Virusausbreitung und der US-Politik besonders zusätzliche Wirtschaftsstimulierungen von
Regierungen und Zentralbanken werden.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

Modular anlegen mit Maerki Baumann

Die hervorgehobenen Akzentmodule erlauben es Ihnen, die erwähnten Themen in Ihrem Portfolio abzubilden:

Aktien Schweiz Aktien USA
Nebenwerte Schweiz Aktien Schwellenländer
Aktien Eurozone Aktien Global
Aktien Deutschland  
Obligationen CHF Global Ausgewogen
Obligationen EUR Rohstoffe
Obligationen USD  
Obligationen Schwellenländer  

Wichtige rechtliche Hinweise:

Diese Publikation dient ausschliesslich zu Informations- und Marketingzwecken und ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation keine Anlageberatung oder individuell-konkrete Anlageempfehlung sowie kein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen können.

Redaktionsschluss: 21. Oktober 2020

Maerki Baumann & Co. AG
Dreikönigstrasse 6, CH-8002 Zürich
T +41 44 286 25 25, info@maerki-baumann.ch
www.maerki-baumann.ch

top